LESEREISE ZÜRICH 2015

Auf diese Frage gehen in Zürich alle Hände hoch – auch die der Lehrer. »Wann darf man lügen?«, will ich wissen. Alle rufen durcheinander: Wenn man eine Überraschung vorbereitet! Am ersten April! Wenn die Großmutter fragt, ob der Kuchen geschmeckt hat! Wenn ein Dieb wissen will, ob man Geld bei sich hat! Oder wenn man in einen Kinofilm ab zwölf will und man ist erst zehn! 
»Welchen Film hast du denn gesehen?«, erkundige ich mich.
»Avengers 2«.
»Wer von euch hat diesen Film auch schon gesehen?«
Wieder gehen alle Hände nach oben.
»Und wer», frage ich weiter, »ist schon zwölf?«
Alle Hände runter – bis auf eine. »Ich bin schon dreizehn«, versichert mir gutmütig ein Junge in der hintersten Reihe. »Aber ich bin schon dreimal sitzen geblieben.«

Im weiteren Verlauf der Lesung besteht – jedenfalls bei den Jungs – große Einigkeit, dass man dem Fuchs, der die anderen Tiere bestohlen hat, nicht verzeihen soll, selbst wenn er die Reisepässe zurück bringt. »Höchstens in einem Jahr«, ruft ein Junge, »dürfte dieser Fuchs wieder mein Freund sein!« Die Mädchen sind da schon ein bisschen konzilianter. »Na ja, er hat sich ja schließlich entschuldigt.«