Uraufführung am 18.Dezember im tjg. Dresden

ruebe

»Viel mehr als einen so anspruchsvollen, gewitzten Text wie auch eine Inszenierung, die in sich stimmig und zu keiner Zeit langweilig ist, kann man den erwartungsvollen Gästen zum Eröffnungswochenende wohl kaum bieten, vereint die Uraufführung doch alle Besonderheiten und Vorzüge des Theaters, lebt vom engagierten Spiel der Darsteller, bietet in der Regie von Ulrich Hub ein fantasievolles, keineswegs überladenes szenisches Geschehen …«

»Ulrich Hub, der auch am neuen tjg-Spielort einmal mehr seine miteinander verquickten Qualitäten als Autor und Regisseur beweist, hat dabei die Gabe, Theater als ein stimmiges Gefüge so zu begreifen, das sich jeder Zuschauer egal welchen Alters quasi eigenverantwortlich und fantasievoll mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen einbringen kann. Daraus formt er mit Geschick und Verstand ein Ganzes, frei von Zugeständnissen an diesen oder jenen, nimmt gleichermaßen alle ernst und entwirft ein wunderbar heutiges wie auch zeitloses Geschehen, das sich einprägt und deutlich Spuren hinterlässt.«
Neue Dresdner Zeitung, 20.12.2016
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»Eine Handvoll Gestalten hat sich im Haus eingenistet. Graukalte Steinwände, vorm Fenster eine schiefe Jalousie, gewelltes Plastik als Dach. Jemand liest, ein anderer hört Musik, alle hängen ab, nur mit dem Jüngsten will keiner spielen. Ein Glück für diesen Pip, dass er ein leuchtendes Kleindings findet. Das lässt sich herrlich herumkullern. Dann vergräbt jemand das Teil draußen in der Erde, und siehe da, es wächst. Ein Rübchen. Sie wächst und wächst. Als Zuschauer sieht man es am rosavioletten Licht, das vorm Fenster immer kräftiger strahlt. Auch der Streit um die Rübe schwillt an. Sofort essen? Aufheben für schlechte Zeiten? Wachsen lassen und teuer verkaufen? Das sind hier die Fragen, die bis zur Rauferei führen. Wo Kinder ab acht eine rasant-witzige Geschichte erleben, entdeckt der Erwachsene leicht eine Parabel auf die heutige Wirtschaft. »Wenn ihr auf mich hört, könnt ihr Rübe essen bis in alle Zukunft«, verspricht die klug-kühle Lou. Der geschäftstüchtige Egor malt schwungvoll Riesenrübencharts an die Wand. Der Trupp bildet eine Kette zum Gießen, reicht Dose um Dose weiter, bis die Dosen alle sind und sie nur noch mit Luft hantieren. So ähnlich muss das damals gelaufen sein auf dem Weg zur Finanzkrise.«
Sächsische Zeitung, 20.12.2016


»In seiner aktuellen Bearbeitung des Märchens greift Ulrich Hub zwar das Grundmotiv der beständig wachsenden Rübe auf, setzt aber ganz neue Schwerpunkte. In seinem Stück sind sich – anders als im russischen Märchen – die Figuren keineswegs einig darüber, was mit der Rübe geschehen soll. Statt Solidarität entsteht erst einmal Konkurrenz und Streit. Hub erzählt davon, welche Mechanismen in einer Gruppe wirken, wenn jeder sich durchsetzen will, und wirft dabei zahlreiche Fragen auf, denen Kinder in ihrem Lebensalltag ständig begegnen, über die sie sich Gedanken machen und mit denen sie sich auseinandersetzen müssen: Wie kann ich Andere von meiner Meinung überzeugen? Ist das, was ich denke, auch gut für die Gruppe? Setzt immer der/die Stärkere seine/ihre Interessen durch? Kann Gewalt Konflikte lösen? Wer hält zu mir? Muss man teilen oder darf man auch alles für sich beanspruchen? All diese Fragen und Konflikte werden von den Figuren in der Inszenierung lautstark diskutiert und vehement ausgetragen. Auch die Hierarchien in der Gruppe verändern sich rasant: Wer eben noch den Ton angegeben hat, wird  im nächsten Augenblick kaum noch beachtet. Kinder ab acht Jahren kennen das aus der Schule und der Familie. Sie verstehen schnell, dass ihnen auf der Bühnen nicht psychologischen Figuren begegnen, sondern diese parabelhaft für bestimmte Typen und Mechanismen stehen. Und sie haben Vergnügen daran, den Gedanken und Argumenten, den Tricks und Gemeinheiten der Figuren zu folgen. Die Inszenierung „Rübe“ ist für Kinder genau wie für Erwachsenen eine Einladung auf ein rasantes Gedankenkarrussel. Und am Ende erleben wir, dass es sich trotz Unstimmigkeit und Streit lohnt, nach Lösungen.«
Begleitmaterial von Ulrike Leßmann und Anke Engler
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